Dr. Julius Roger, ein Freund und Wohltäter Oberschlesiens

Wie viele Oberschlesier mögen an dem Totengedenkstein, der im Herzoglichen Ratiborschen Wald etwa 10 km von Gleiwitz entfernt steht, vorübergehen, wie viele die Inschrift lesen, die Hoffmann von Fallersleben, der Dichter des unsterblichen „Deutschland über alles“, seinem Freunde Julius Roger gedichtet, ohne dass sie von den großen Verdiensten wissen, die dem herzoglichen Sanitätsrat Dr. Roger sich um Oberschlesien erworben!

Dr. Julius Roger
Dr. Julius Roger

Von Schwaben nach Schlesien

Im fernen Schwaben in Niederstotzingen unweit Ulm am 28.02.1819 geboren, kam Roger 1847 als Arzt in die Dienste des Herzogs Viktor von Ratibor, der ein eifriger Förderer von Kunst und Wissenschaft, später auch Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar nach Rauden berief und diesen wertvollen deutschen Dichter so der Not entriss. Rogers Leben und Schaffen ist nach drei Seiten hin für Oberschlesien von Wert und Bedeutung geworden.

Arzt und Wohltäter

In erster Linie war er als Arzt ein stets hilfsbereiter, stets uneigennütziger Freund und Wohltäter der Bevölkerung, vor allem der Armen. Abgesehen davon, dass er seine menschliche Kraft und ärztliche Kunst ohne Entgelt hingab für das Wohl der Armen, ist es seinen Bemühungen und seinem Opfersinn zu danken, dass in Oberschlesien sanitäre Einrichtungen entstanden, die weit über sein Leben hinaus dem oberschlesischen Volke zum Segen waren und sind. Ihm ist die Errichtung eines geräumigen Krankenhauses in Rauden (1858) zu danken. Sein Verdienst ist es, dass 1869 das nach ihm benannte Julius-Krankenhaus in Rybnik eröffnet werden konnte. Das Krankenhaus im Kloster der Barmherzigen Brüder in Pilchowitz, das Waisenhaus in Lissek danken ihm viel. In Pilchowitz war Roger Leiter des Krankenhauses und verzichtete als solcher auf das ihm als Klosterarzt zustehende Gehalt, das er für die Armen und Kranken sowie für Einrichtung und Ausbau des Krankenhauses bestimmt haben wollte.

Naturforscher

So viel Roger aber in seinem artensreichen Berufe wirkte, es blieb ihm doch noch Zeit wertvolle wissenschaftliche Arbeit zu leisten, und sein Name als Naturforscher lebt in der Welt der Fachgelehrten fort. Er hat über 400 neue Arten von Käfern in Oberschlesien entdeckt und eine stattliche Reihe von wissenschaftlichen Schriften über Insektenkunde verfasst. 1876 begann er eine Sammlung oberschlesischer Vögel anzulegen, die nunmehr vom Herzog von Ratibor dem Gleiwitzer Museum geschenkt wurde.

Volksliedsammler

Das dritte große Verdienst um Oberschlesien ist Rogers Sammlung von oberschlesischen Volksliedern. Er scheute auch hierin keine Mühen und Kosten, ging von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus sodass er schließlich einen Band mit 546 Liedern herausgeben konnte. Hier war nun seine Freundschaft mit Hoffmann von Fallersleben von höchstem Wert insofern als dieser bedeutende Germanist und prächtige Dichter feinst empfundener Natur-und Kinderlieder die oberschlesischen Lieder mit feinem dichterischen Verständnis und Neugestaltungsvermögen übertrug. Eine Auswahl der von Roger gesammelten Lieder hat Jedrzejewski in einem Buche über Roger, den Freund und Wohltäter Oberschlesiens, herausgegeben.

Nachtrag

Ist es nicht seltsam, ist es nicht Undank, dass solch ein wertvolles Leben vergessen ist? Mag die Nachwelt erfüllen, was Fallersleben dem Freund, der am 7. Januar 1865 auf der Jagd von einem Herzschlag getroffen wurde, nachruft:

„Du lebst. Du lebst in unsern Herzen. Du lebst für uns in jeder Zeit!”

Die Begräbnisstätte des edlen Menschen Julius Roger dessen Leben nie ermüdende Tätigkeit im Dienste der leidenden Menschheit war, befindet sich auf dem Kirchhofe in Rauden.

 

Dr. Julius-roger-Gedenkstein im Wald bei Rachowitz
Die Inschrift auf dem vom Herzog von Ratibor gesetzten Stein. Sie lautet:

Julius Roger
gest. 7. Januar 1865
In unsern Herzen steht’s geschrieben,
Was Du uns warst, bist Du geblieben,
An Wissen reich und Herzensgüte,
Mit opferwilligem Gemüte,
Der Deinen treuer Freund und Rater,
Der Kranken Trost, der Armen Vater.


Text nach: Oberschlesien im Bild (1927)
Bilder: Roman-Peter und AntWiki

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